|
als f.
eines neuen morgens aufwachte
hing die
große morgenmuze genau über seinem bett
er
betrachtete sie voller erstaunen
aber ohne angst
und er
traute sich sogar, sie mit seinem zeigefinger zu berühren
und die
morgenmuze faßte sich weich und angenehm an
und er
empfand ein sanftes prickeln in seinen fingern
das
langsam seinen ganzen körper zu überziehen begann
er mochte
dieses gefühl
und so
berührte er die morgenmuze wieder & wieder
und konnte
nicht genug bekommen
er
vergaß darüber ganz
daß
er eigentlich hätte aufstehen müssen
die
morgenmuze hing friedlich über ihm
f. lag im bett
und die
sonne schien auf beide
er schaute
sie an
berührte
sie
und gab
sich dem feinen prickeln hin
das von
ihr ausging
eine weile
später begann f. zu bemerken
daß
er seinen kopf die ganze zeit nicht bewegt hatte
und wollte
ihn jetzt in eine andere lage bringen
um die
morgenmuze besser sehen zu können
aber es
gelang ihm nicht
sein kopf
war starr
auch hatte
er seine hand ausgestreckt
und es
bereitete ihm keine schwierigkeiten
den arm in
dieser sonst unbequemen haltung zu lassen
denn er merkte
als er
sich von seinem kopf abwandte
und auf
den arm zu konzentrieren begann
daß
auch dieser steif geworden war
und er ihn
nicht mehr bewegen konnte
da das
sanfte gefühl
welches
von der morgenmuze ausging
anhielt
nahm er
diese vorgänge erst einmal nicht weiter wichtig
und fand
sich mit seiner momentanen eingeschränktheit ab
er lag den
ganzen tag in jener stellung
bewegte
sich nicht
hatte die
hand an der morgenmuze
und
ließ nur das sanfte & schöne gefühl
auf sich einwirken
doch je
mehr der tag sich dem abend zuneigte
desto
schwächer wurde das prickeln in seinem ganzen körper
und es
fiel ihm mehr & mehr auf
daß
er sich nicht bewegen konnte
was zuerst
nur seinen kopf und arm betroffen hatte
war jetzt
durch den ganzen körper gewandert
und hielt
ihn in der stellung
in der er
in der frühe die morgenmuze berührt hatte
und auf
einmal begann angst ihn zu befallen
er wurde
sehr unruhig
aber er
konnte nichts gegen seinen zustand unternehmen
das gefühl
das von
der morgenmuze ausging
wurde
schwächer & schwächer
und seine
angst wuchs
denn das
einzige, was ihm blieb
war, die
augenlider zu bewegen
und er
bewegte sie deshalb sehr schnell
die
morgenmuze begann nun auch noch
sich aufzulösen
wurde
immer kleiner
und wich
von seinen fingern
da lag er
f.
den arm
ins leere ausgestreckt
mit einer
verlorenen berührung
und er
fühlte sich sehr schwach
und sein
kopf schmerzte sehr stark
was er nun
erst richtig wahrnahm
und als es
ganz dunkel draussen war
war die
morgenmuze sehr klein geworden
und bald
darauf ganz verschwunden
f. lag in
seinem bett
allein
unbeweglich
bis auf das zwinkern der augenlider
mit einem
gefühl panischer angst
das ihn
aufzufressen drohte
und gegen
das er nichts tun konnte
er war
schweißnaß am ganzen körper
und die bettdecke
die noch
wie am morgen über ihm lag
war ihm
viel zu schwer
so
verbrachte er die halbe nacht lang
starr,
wach, eingeschlossen & allein
und konnte
keinen schlaf finden
doch gegen
morgen wurde seine angst etwas weniger
und da die
müdigkeit übermächtig wurde
muß
er eingeschlafen sein
das nächste
was er empfand
war,
daß er zu schweben begonnen hatte
und als er
genauer hinsah
wurde er gewahr
daß
er auf der morgenmuze
auf der er
weich & angenehm saß
über
eine weite landschaft
mit
großen & bunten blumen
ritt
er konnte
sich wieder bewegen
fühlte
sich frei & ungezwungen
auch das
prickeln in seinem ganzen körper
verspürte
er wieder
nicht so
stark zwar
wie er es
in erinnerung hatte
aber
immerhin so
daß
es ihm ein gutes gefühl gab
so flog er
auf der morgenmuze
über
vom abendrot erhellte
in allen
farben leuchtende hügel
über
einen silbernen fluß
wo eine
leichte & kühle brise wehte
und er
flog hinüber in das sanfte land
das sich
vor ihm auftat
und
geradewegs auf die sonne zu
er
schaukelte leicht auf der morgenmuze
während
seines schwebeflugs
wippte ein wenig
und immer
war die morgenmuze ihm gewogen
sie war
schwerelos & angenehm unter ihm
und gab
ihm das gute gefühl
so
muß er eine weile über das blumenland
geflogen sein
bis er bemerkte
daß
die bunten flächen immer kleiner wurden
und er
immer höher schwebte
nicht
daß die sonnenwärme gestört hätte
sie war
eben da
aber sie
wirde immer stärker
und
dagegen konnte er sich nicht wehren
das
blumenland war bald schon nur noch
ein farbenteppich
der sich
immer weiter entfernte
und die
hitze wurde so stark
und das
licht so hell
daß
er es nicht länger auszuhalten vermochte
also gab
es einen sanften knall
und f. war verschwunden
als man f.
tage später in seinem bett fand
vermochte
niemand so recht zu sagen
woran er
gestorben war
und vor
allem nicht
wonach er
seinen arm ausgestreckt hat
was alle
gesehen haben
war
lediglich ein glückliches lächeln in seinem gesicht
und den
stecknadelkopfgroßen dunklen fleck
an seinem zeigefinger
der von
einer verbrennung herrühren mußte
man trug
seinen körper hinaus
und wollte
ihn begraben
aber der
ausgestreckte arm ließ sich nicht bewegen
egal, was
man auch anstellte
selbst mit
gewalt konnte man diesen zustand nicht ändern
also
schnitt man in seinen sarg ein loch
durch das
man seinen arm
hindurchschauen
ließ
und begrub
ihn in dieser weise
wenn du
der du
diese geschichte jetzt kennst
jemals auf
einen friedhof gehen solltest
dann kann
es sein
daß
du an ein grab kommst
wo an
einer stelle am kopfende
ein
kleiner hügel zu sehen ist
sei nicht erstaunt
wenn dort
viele & bunte blumen wachsen
von der art
wie du sie
noch nie gesehen hast
denn du
hast das grab von f. gefunden
aber
vergiß in diesem augenblick nicht
was es bedeutet
die
morgenmuze berührt zu haben.
ms 29.5.1977 |