Märchen für eine ferne Hexe

zuerst ist f. um sie herumgelaufen
um sie auf sich aufmerksam zu machen
als das nichts genutzt hat
ist er um sie herumgesprungen
damit sie ihn bemerke
aber sie nahm keine notiz von ihm

daraufhin bleib f. eine weile von ihr fern
um sie an seine abwesenheit zu erinnern
aber auch das half nicht
ob er in ihrer nähe war
oder sehr weit weg
schien sie gar nicht zu interessieren

doch er hatte keinesfalls die absicht
aufzugeben
er ging in das armenviertel
und schuf sich eine armee aus bettlern
und marschierte auf sie zu
aber sie bewegte sich nicht
egal was er auch versuchte

also ging er in die gesellschaft
wurde reich
und kaufte das schönste automobil
das er finden konnte
und fuhr damit bei ihr vor

aber sie veränderte ihre haltung
ihm gegenüber dadurch nicht

allmählich begann f. der mut zu verlassen
er entließ seine armee
verbrannte sein geld
verschrottete das teure auto
und wollte sie für immer vergessen

zum abschied ging er noch einmal um sie herum
um sie ein letztes mal
und sehr genau
zu betrachten
und dabei berührte er sie
ganz leicht und ganz zufällig

da begann sie sich zu bewegen
zuerst sehr zaghaft nur
aber dann ging sie auf ihn zu
nahm ihn bei der hand
und führte ihn
wie selbstverständlich
von dannen

sie gingen zusammen durch die städte
durch die dörfer
die auen und die wälder
bis sie an das meer kamen
wo auf einer düne
ihr haus stand
und sie blieben forthin dort
und lebte ein leben
fernab allen treibens

sie hatten die flut
und sie hatten manchmal den sturm
aber sie kamen beide hindurch
und ihre nächte wurden nicht lang

manche der fremden
die in ihre gegend kamen
haben sie gefunden
wenn sie nur stark genug
gesucht haben
und sie wurden fürstlich empfangen
im haus der hexe

aber manche sind auch an den beiden
vorbeigegangen
und haben sie nicht gesehen

so lebten f. und die hexe
mit den fremden
im haus am meer
und waren glücklich
bis an das ende der gezeiten
bis die letzte flut kam
die das haus der hexe
mit sich fort trug

aber ich weiß
daß sie sich dort
wiedergefunden haben
wo ebbe & flut nicht mehr wichtig sind
und wo es keinen haß gibt

und ich weiß außerdem
daß sie auch dort glücklich waren

ms – 26.5.1977